Zur Extremismustheorie

Liebe Backnangerinnen und Backnanger,
Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

wer sich mit der Arbeit gegen Rechts beschäftigt, der stößt früher oder später auf das Argument „Leute die gegen Rechts arbeiten sind genauso schlimm wie die Rechten“. Anders formuliert lautet es „Linksextremisten sind genauso schlimm wie Rechtsextremisten“. Diese Argumentation nennt man Extremismustheorie.

Ein Vertreter der Extremismustheorie ist der Backnanger Oberbürgermeister Nopper von der CDU. Er beklagte in der Backnanger Kreiszeitung Ende September eine starke Häufung links- und rechtsextremer Schmierereien und dass er sich stellvertretend für die Stadt gegen Extremismus jeder Couleur wende. Soweit, so schlecht.

Wir haben auf der einen Seite bekennende Faschisten, die das Backnanger Rathaus mit SS-Runen verschandeln, Hakenkreuze schmieren oder Nigger jagen an eine Berufsschule schreiben. Und dann gibt es Menschen, die sich dazu berufen fühlen, solche menschenverachtende Propaganda nicht stehen zu lassen und sie mit Slogans gegen die Rechten übermalen. Angesichts der unzähligen Verbrechen, die die Faschisten in Europa, bereits seit den 1920er Jahren vor allem in Italien und Deutschland begangen haben, ist Widerstand gegen heutige Rechte legitim.

Es ist richtig, dass es bereits seit einigen Jahren zu rechten Schmierereien in Backnang und Umgebung kommt und ein Ende bisher noch nicht abzusehen ist. Doch warum hören die Rechten nicht mit ihrer Propaganda auf? Sie hören noch nicht auf, weil sie noch nicht dafür belangt wurden. Solange die Faschisten das Gefühl haben, sie können ihre menschenverachtende Gesinnung auf die Straße tragen, ohne dass sie Konsequenzen befürchten müssen, solange werden sie nicht aufhören, Faschisten zu sein. Dies ist die Lehre, die wir aus 12 Jahren Nazidiktatur ziehen und dieses Prinzip hat sich seitdem auch nicht geändert!

Blickt man bei der Diskussion noch in die Politikwissenschaft, so fällt die Bewertung der Extremismustheorie noch eindeutiger auf: Hier ist die Extremismustheorie bereits vor Jahren als unwissenschaftlich und nicht zutreffend kritisiert worden. Dies hat auch seine Begründung in den Theorien, die Linke bzw. Antifaschisten oder auf der anderen Seite, die Rechten, vertreten. Die Rechten wollen Menschen aufgrund von etwas diskriminieren, dass sie nicht ändern können. Das ist zum Beispiel die sexuelle Orientierung, die Hautfarbe oder die Herkunft. Aber die Rechten standen auch immer felsenfest auf dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Nirgends haben sie, wenn sie an der Macht waren, den Kapitalismus abgeschafft. Im Gegenteil, sie haben die ihm innewohnende Ausbeutung breiter Teile der Bevölkerung sogar noch verschärft. Und sie haben immer diejenigen als erste angegriffen, die den Kapitalismus abschaffen wollen. Die, die sich für eine bessere, solidarische Gesellschaft einsetzen wollen. Die eine demokratische Kontrolle über die Wirtschaft wollen, indem sich die Wirtschaft an den Bedürfnissen und Wünschen der Bevölkerung orientiert und nicht nach den Profiten weniger!

Wir merken also, Vertreter der Extremismustheorie, wie Frank Nopper, vergleichen Äpfel mit Birnen. Links und Rechts sind zwei völlig verschiedene politische Richtungen, sie stehen in grundsätzlichem Widerspruch zueinander. Sie miteinander gleichzusetzen, ist nicht nur falsch, sondern auch sehr gefährlich. Denn mit der Extremismustheorie hat man in der Vergangenheit vor allem eines erreicht: Der Widerstand gegen Rassismus und Faschismus wurde geschwächt, weil er dadurch gespalten wurde.

Wir aber, die wir heute hier sind, wir setzen gemeinsam ein Zeichen gegen rechte Hetze. Egal ob wir AntifaschistInnen, SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen, KommunistInnen, Christen, Muslime, Männer, Frauen, jung oder alt sind: Wir lassen uns nicht spalten, sondern wir stehen solidarisch zueinander.

Hoch die internationale Solidarität!

 

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