Erneuter Angriff von Nazis- und niemand verliert ein Wort!

Vor wenigen Tagen wurde vor dem Amtsgericht Waiblingen ein Prozess gegen fünf Männer aus dem Rems-Murr-Kreis geführt.
Erschreckend ist, was dieser Tage erst durch Zeitungsberichte über den Abschluss des Prozesses bekannt wurde und sich bereits im Mai 2019 in Stetten im Remstal ereignete:

Fünf Menschen mit Migrationshintergrund wurden dort von einer Gruppe rechter Männer aus einem rassistischen Motiv angegriffen. Einer der Angreifer zückte ein Messer und bedrohte die Gruppe, die bei ihrer Flucht geschlagen und getreten wurde. Die alarmierte Polizei traf die meisten der Angreifer kurz darauf bei einer 300 m entfernten Gartenparty an, wobei die meisten durch ihre Kleidung als Rechte zu erkennen waren. Einer der Angreifer wurde außerdem wegen „Sieg Heil“-Rufen bei einem Stadtfest verurteilt.

Erschreckend sind die Parallelen, die dieser Angriff zum rechten Anschlag von Winterbach aufweist:
Vor knapp zehn Jahren wurde eine Gruppe MigrantInnen von Nazis angegriffen, die in der Nähe auf einem Grundstück feierten. Die Menschen flohen in eine Gartenhütte, welche die Nazis anzündeten und abbrannten. Obwohl damals 14 Personen angeklagt waren und klar war, dass sie alle beteiligt waren, wurden nur ein Bruchteil der Nazis verurteilt. Auch im Stettener Fall wurden vier der sechs angeklagt freigesprochen und nur ein Angreifer verurteilt.
Wie bereits in der Vergangenheit wird damit suggeriert, es gebe einen „Einzeltäter“ oder „harten Kern“, während der Rest nur danebenstand und zugeschaut hat.

Neben der Frage, warum der ganze Vorfall erst jetzt, knapp zwei Jahre später bekannt wird, drängt sich die Frage auf, warum damals nichts passierte? Wie kann es sein, dass Rassisten erneut Menschen angreifen und niemand reagiert? Dass weder in der Presse darüber berichtet, noch von Seiten der Stadt und der Polizei ein Wort verloren wird?

Dabei hat doch gerade die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass es keine Lösung ist, die Sache kleinhalten zu wollen und sie zu verschweigen. Ganz im Gegenteil: Das Motto „nichts hören, nichts sagen, nichts wissen wollen“ sorgt immer dafür, dass Rechte sich festsetzen und ungestört agieren können. Die rassistische Attacke vom Mai 2019 kann demzufolge nur als Spitze des Eisbergs gelten: Wie viele gewalttätige Faschisten in Kernen noch aktiv sind, auf welche Strukturen sie zurückgreifen können und wohin sie Kontakte unterhalten muss aufgeklärt werden!

Die Erfahrung der Brandanschlagsaufarbeitung von Winterbach zeigt auf: Motor der Aufarbeitung ist vor allem eine kritische Öffentlichkeit, die den Finger in die Wunde legt und den Rechten aktiv entgegentritt.

Bündnis Zusammen gegen Rechts Rems-Murr im Januar 2021

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